Buchtipp der Woche
Buchtipp der Woche vom Freitag, den 03. November 2017nach oben
Kleine Auswahl der „neuen Comics für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren“ im Bestand der Gemeindebibliothek

Ernest & Rebecca, Band 1: Mein Freund, die Mikrobe
Die Eltern der sechsjährigen kränklichen Rebecca zoffen sich ständig.
Doch so schnell lässt sich das Mädchen nicht unterkriegen und will beweisen, dass sie eine Kämpfernatur ist.
Als sie sich eines Tages beim Frösche fangen eine merkwürdige Mikrobe namens Ernest einfängt,
ändert sich ihr Leben schlagartig. Denn Ernest ist nicht gerade auf den Mund gefallen und überzeugt Rebecca,
dass sie eine prima Mikrobe abgeben wird, und so bringt er ihr die Feinheiten seines Berufes näher.
Doch können es zwei Mikroben, ein Experte und ein blutige Anfängerin mit der merkwürdigen Krankheit
namens »Scheidung« aufnehmen?
Ein unterhaltsamer und lustiger Comic, denn Rebecca ist ein super süßes und total altkluges Mädchen,
dessen Kommentare einfach nur zum Lachen sind.

Ganz nebenbei werden Problemsituationen wunderbar umsetzt.
Die neue Reihe ist mit noch 6 weiteren Bänden ausleihbar!

Hey, Schwester! Band 01: Familienbande
Achtung, hier fliegen die Fetzen!
Wendy und ihre kleine Schwester Marine zoffen, ärgern und foppen sich den lieben langen Tag.
Egal, ob beim Essen, beim Spielen, beim Baden oder beim Tischdecken, Grund für Knatsch gibt’s immer.
Doch eigentlich haben sich die beiden Wirbelwinde, denen nie die Puste ausgeht, ganz furchtbar doll lieb.
Auch diese neue französische Comicreihe ist mit noch 4 weiteren Bänden ausleihbar!
Der ultimative Lesespaß für die ganze Familie!

Hilo, Der Junge, der auf die Erde krachte
Mit nichts als einer silbernen Unterhose bekleidet, kracht Hilo eines Tages auf unseren Planeten
und hinterlässt einen riesigen Krater. Er weiß nicht, woher er kommt und wie er auf die Erde kam.
Zum Glück trifft er D.J., der sich redlich Mühe gibt, Hilo mit den Gepflogenheiten der Menschen vertraut zu machen.
Anfangs verläuft alles zwar reichlich chaotisch, aber friedlich.
Doch dann entdecken sie Hilos Geheimnis und stürzen in das größte Abenteuer aller Zeiten!


Comics sind Türöffner in die Lesewelt - Leseförderung mithilfe von Comics

Wie viele Kinder, vor allem Jungs, sind mit Comic-Klassikern zu Lesern geworden?
Gerade für Jungs der heute älteren Semester waren Comics eine echte Alternative zu den wohlmeinenden,
aber seitenstarken Lesestoffen.
Kinder muss man nicht zum Comic-Lesen überreden.
Das schaffen die Comics von sich aus. Kein anderes Leseformat hat einen so positiven Ruf wie Comics.
Denn im Gegensatz zum oft seitenstarken erzählenden Lesestoff müssen Kinder
hier nicht besonders motiviert werden.
Comics für Kinder sind witzig.
Neuerdings sind viele Kindercomics erschienen, die witzig sind.
Und welche bessere Werbung fürs Lesen gibt es als das Lachen, sprich: die positive emotionale Zustimmung?
Comics sind kurz, knapp und knackig.
Das schätzen Kinder. Comics kann man auch mal zwischendurch lesen.
Geschichten sind auf wenigen Seiten und im Wortsinne auf einen Blick zu erfassen.
Comics machen Lesen leichter, auch mal im Familienauto oder im Schulbus.
Comics sind frech, fantastisch, böse.
Kinder lieben diese Geschichten oder Figuren, die eben nicht so sind, wie manche Erwachsene sie gern hätten.
Und krasse Lösungen für Probleme (einfach mal "Bumm" und in die Luft gesprengt),
das ist Teil der Erzählweise und eben Fantasie und nicht Realität.
Gerade Jungs schätzen diese Figuren, die nicht weichgespült ihr Leben bewältigen.
Comics sind dünn.
Ein wichtiges Argument für Kinder, denn der Umfang mancher Bücher erschreckt schon beim Anblick.
Einen Comic kann man in Happen lesen, weglegen und nochmals lesen und so in Lese-Portionen einteilen.
Comics bieten von sich aus eine Lesestrategie an.


Buchtipp der Woche vom Freitag, den 10. November 2017nach oben
Roman

Christoph Ransmayr: Cox oder Der Lauf der Zeit

Ein farbenprächtiger Roman über einen maßlosen Kaiser von China und einen englischen Uhrmacher,
über die Vergänglichkeit und das Geheimnis, dass nur das Erzählen über die Zeit triumphieren kann.
Der mächtigste Mann der Welt, Qiánlóng, Kaiser von China, lädt den englischen Automatenbauer
und Uhrmacher Alister Cox an seinen Hof.
Der Meister aus London soll in der Verbotenen Stadt Uhren bauen, an denen die unterschiedlichen
Geschwindigkeiten der Zeiten des Glücks, der Kindheit, der Liebe, auch von Krankheit und Sterben abzulesen sind.
Schließlich verlangt Qiánlóng, der gemäß einem seiner zahllosen Titel auch alleiniger Herr über die Zeit ist,
eine Uhr zur Messung der Ewigkeit. Cox weiß, dass er diesen ungeheuerlichen Auftrag nicht erfüllen kann,
aber verweigert er sich dem Willen des Gottkaisers, droht ihm der Tod.
Also macht er sich an die Arbeit.

Tatsächlich war James Cox nie in China.

Die Manufakturen des umtriebigen Londoner Uhrmachers (1723-1800) produzierten mechanische Meisterwerke
wie bewegte Vögel und repräsentativ verzierte Zeitmesser,
die beim europäischen Adel gut ankamen.
Ganze Schiffsladungen seiner Kreationen reisten aber auch an den kaiserlichen Hof in Beijing
und sind dort noch heute ausgestellt.
Der wagemutige Unternehmer mit wechselhaftem Schicksal inspirierte den österreichischen Schriftsteller
Christoph Ransmayr zu einem packenden Roman, der Abenteuer, Exotik und ein drastisches Bild der chinesischen
Gesellschaft der Zeit mit einer philosophisch überhöhten, anregenden Interpretation dessen verbindet,
was geniale Erfinder wie Cox zu erschaffen vermochten und die Allmachtsfantasien ihrer Auftraggeber anstachelte.


Christoph Ransmayr wurde 1954 in Wels/Oberösterreich geboren
und lebt nach Jahren in Irland und auf Reisen wieder in Wien.

Neben seinen Romanen erschienen bisher zehn Spielformen des Erzählens, darunter
»Damen & Herren unter Wasser«, »Geständnisse eines Touristen«, »Der Wolfsjäger« und »Gerede‹.

Für seine Werke erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen.

Zuletzt wurde ihm 2017 für den oben vorgestellten Roman der „Marieluise-Fleißer-Preis“ verliehen.

Die Stadt Ingoldstadt würdigt mit dieser Auszeichnung deutschsprachige Schriftsteller, die sich in ihrem Werk mit dem
„Konflikt zwischen unerfüllten Glücksansprüchen und dem alltäglichen Leben“ beschäftigen.


Buchtipp der Woche vom Donnerstag, den 16. November 2017nach oben
DVD (999):
Ungeküsst zurück

Ein Dokumentarfilm des Kinder- und Jugendhospizdienstes Mannheim
Der Mannheimer Regisseur Stefan Hillebrand hat mit seinem Filmteam drei Wochen lang Schüler zwischen 10 und 18 Jahren
sowie einige Lehrer während eines Projektes an der Integrierten Gesamtschule Herzogenried (IGMH) begleitet,
in dem sie sich mit Sterben, Tod und Trauer auseinandersetzten.

Daraus ist ein erstaunlicher Film geworden.

Eigentlich ist es ein Lehrstück für Erwachsene, für
die diese Themen vielfach etwas sind, worüber man nicht
spricht, am wenigsten mit Kindern. Meist wollen sie sie vor der Realität des Todes schützen und nicht mit etwas
belasten, das sie ihrer Meinung nach noch gar nicht erfassen können.
„Ungeküsst zurück“ beweist genau das Gegenteil.
Einfühlsam, geradezu zart zeigen die Kinder
und Jugendlichen auf, dass sie weit besser damit umgehen können als mancher Erwachsener.
„Vielleicht sind sie näher dran“, mutmaßt Kameramann Torsten Truscheit und meint damit, dass ihr Lebensanfang noch
nicht so weit zurückliege, wie der der Erwachsenen.
Ihn haben die Aufnahmen sehr berührt.
„Als Kameramann“, so sagt er, „soll ein Auge mitweinen und das andere Auge die Kameraschärfe beachten.
Ich muss gestehen, dass manchmal beide Augen geweint haben.“ Dauer: ca.40 Min.

Roman:
Pásztor, Susann: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Wie begegnet man einer Frau, die höchstens noch ein halbes Jahr zu leben hat? Fred glaubt es zu wissen.
Er ist allein erziehender Vater und hat sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden lassen, um seinem
Leben mehr Sinn zu geben. Aber Karla, stark, spröde und eigensinnig, arrangiert sich schon selbst mit ihrem bevorstehenden Tod
und möchte nur etwas menschliche Nähe zu ihren Bedingungen.
Als Freds Versuch, sie mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, grandios scheitert, ist es nur noch Phil,
sein 13-jähriger Sohn, der Karla besuchen darf, um ihre Konzertfotos zu archivieren.
Dann trifft Hausmeister Klaffki in einer kritischen Situation die richtige Entscheidung und verhilft Fred zu einer zweiten Chance.
Eine berührende Geschichte über die erstaunliche Entwicklung einer Vater-Sohn-Beziehung. Unpathetisch und humorvoll,
einfühlsam und mit sicherem Gespür für menschliche Gefühlslagen.
Susann Pásztor, 1957 in Soltau geboren, lebt als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin.
Sie hat die Ausbildung zur Sterbebegleiterin abgeschlossen und ist seit mehreren Jahren ehrenamtlich tätig.


Roman:
Siemens, Jochen; Besuch von oben

Johannes Schweikert kann es nicht glauben:
Vor 22 Jahren sind seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen – und nun stehen sie auf einmal vor ihm!
Eine Halluzination? Ein Trick?
Zunächst ist der Architekt mit dieser Situation schlichtweg überfordert, zumal er zu seinem Vater
nie ein gutes Verhältnis hatte. Und nun stellt dieser plötzlich Fragen nach seinem Leben, nach seiner Familie,
nach seinem Beruf und wundert sich über Dinge wie Handys und Internet . Es ist kompliziert vor allem weil Johannes ihm
eigentlich ein paar unangenehme Wahrheiten beichten müsste. Der tote Vater und der lebende Sohn der alte Konflikt flammt wieder auf.
Wie soll er seinen toten Eltern gestehen, dass auf dem Friedhof kein Platz für zwei Särge war
und er sie deshalb einäschern lassen musste? Und das wäre erst der Anfang dieses Besuchs aus dem Jenseits.
Ein unterhaltsamer Roman voll Humor und leiser Melancholie über den Tod, der zum Lachen, aber auch zum Nachdenken anregt.

Sachbuch:
Käßmann, Margot: Das Zeitliche segnen

Voller Hoffnung leben. In Frieden sterben.
Unsere Zeit ist begrenzt. Das macht sie so kostbar. Wer das wahrnimmt, lebt anders. Dankbarer.
Margot Käßmann schreibt offen über eigene Verlusterfahrungen und was sie dann getragen hat. Wie man in schweren Zeiten
Trost findet, weil man weiß, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Ihr Buch macht Mut, sich beizeiten den großen Fragen des Lebens und Sterbens zu stellen - damit das Leben gelingt.
"Ich bin überzeugt: Es tut gut, ans Sterben zu denken - für das Leben! Gerade wer die eigene Endlichkeit
und die anderer nicht ignoriert, lebt intensiver. 'Wie will ich leben, damit ich am Ende in Frieden sterben kann?',
darum geht es. Ich verstehe das Leben als geschenkte Zeit, die ich nutzen, verantworten und auch auskosten will."(Margot Käßmann)






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